Warum KI den Schutz von Software erschwert – und der Patentschutz an Bedeutung gewinnt
Warum Software-Lizenzmodelle unter Druck geraten könnten
Softwareanbieter nutzen seit Jahren Lizenzmodelle, um ihre Produkte gegen Entgelt bereitzustellen, ohne dass Nutzer die Software frei weiterverkaufen dürfen. Diese Modelle sollen die Erschöpfung verhindern, also den Eintritt eines Weiterverkaufsrechts des Erwerbers.
Viele Konstruktionen funktionieren nur, weil die Nutzung an Accounts, Aktivierungssysteme oder Plattformen gebunden wird.
Insbesondere für kleinere Softwareprodukte könnten solche Ansätze der Lizenzierung immer schwieriger werden, da sich insbesondere solche kleineren Software-Produkte mit KI viel leichter funktional nachbilden lassen.
Die Bedeutung der Oracle-/UsedSoft-Entscheidung für Download-Software
Der Europäische Gerichtshof hat in der Entscheidung Oracle/UsedSoft (C-128/11) klargestellt, dass Downloads von Software in vielen Fällen wie ein Verkauf zu behandeln sind.
Entscheidend ist, ob der Nutzer ein dauerhaftes Nutzungsrecht gegen eine einmalige Zahlung erhält.
Damit wird deutlich, wie fragil rein vertragliche Lizenzkonstruktionen sein können.
Künstliche Intelligenz erleichtert das Nachprogrammieren von Software
Neben rechtlichen Risiken entsteht durch künstliche Intelligenz ein noch wesentlicherer Druck auf traditionelle Lizenzmodelle.
Moderne KI-Systeme können Softwarefunktionen mit geringem Aufwand analysieren und in kurzer Zeit funktionsgleiche Alternativen erzeugen.
Dadurch verlieren viele Lizenz- oder Account-Modelle ihre Schutzwirkung, weil sie zwar die Weitergabe eines bestimmten Programms verhindern, aber nicht das Nachbauen der Funktionalität.
Vor dem Hintergrund, dass das Reproduzieren von Software durch künstliche Intelligenz stark beschleunigt wird, verliert die exklusive Kontrolle über den Code an strategischem Wert.
Warum Patente für Softwarehersteller wieder wichtiger werden
Mit einem Patent kann die technische Idee, die einer Software zugrunde liegt, rechtlich geschützt werden.
Dieser Schutz greift auch dann, wenn Wettbewerber mithilfe von KI eine abgewandelte Version derselben Funktion programmieren.
Patente verschaffen Softwareanbietern damit eine Schutzebene, die deutlich robuster ist als rein vertragliche Nutzungseinschränkungen.
Wer langfristig verhindern möchte, dass innovative Funktionen schnell repliziert werden, sollte prüfen, welche Bestandteile seiner Software patentierbar sind und wie ein gezielter Patentschutz die eigene Marktposition stärken kann.
Über Justus Kreuels:
Justus Kreuels berät Mandanten beim strategischen Aufbau und der Pflege von Patentportfolios. Er betreut Unternehmen in Deutschland und Europa bei der Erteilung von Patenten sowie bei Einspruchs- und Patentnichtigkeitsverfahren.